Die Geschichte der Hygiene

Geschichte der Hygiene

Hygiene ist in unserer heutigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit. Das war nicht immer so; im Laufe der Geschichte hat sich das Hygieneverständnis – also, welches Verhalten der Gesundheit zuträglich ist – grundlegend geändert.

Der Begriff stammt von der griechischen Schutzgöttin der Gesundheit, Hygieia. Im antiken Griechenland und im römischen Reich wurde Hygiene und Körperpflege groß geschrieben und regelrecht zelebriert. Der Besuch von Gemeinschaftsbädern, Massagen, wohlriechende Cremes, die Verwendung von Fingerschalen bei den Mahlzeiten – all das gehörte zum normalen Tagesablauf. In den Städten gab es ausgeklügelte Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Mittelalter

Im Mittelalter ging das Wissen nach und nach verloren. Wurden zu Beginn der Epoche öffentliche Bäder noch gerne und viel genutzt, verkam diese Sitte im Lauf der Zeit immer mehr. Lediglich reiche Leute, die sich private Bäder leisten konnten, legten weiterhin großen Wert auf persönliche Hygiene und saubere Kleidung, um sich vom Pöbel abzuheben. Die Städte verschmutzten zunehmend, es gab keine Kanalisation – sämtlicher Abfall, das Abwasser, auch die Exkremente, wurden einfach auf die Straße gekippt und schwammen offen in den Abflussrinnen, die in der Mitte der Straße verliefen.

Renaissance

In der Renaissance kam es zu neuen Krankheiten wie Syphilis und zu großen Pestepidemien. Damals konnten noch keine Krankheitserreger identifiziert werden, es kam zu teilweise kuriosen Erklärungsversuchen. So glaubten die Menschen, dass Wasser durch die Poren der Haut in den Körper gelange und dabei die gefährlichen Krankheiten übertrage. Die logische Konsequenz war, dass Waschen als ungesund angesehen wurde. Lediglich die sichtbaren Körperstellen, die nicht von Kleidung bedeckt waren, wurden mit einem trockenen Tuch abgewischt.

Im 18. Jahrhundert dann wurden die ersten Gemeinschaftslatrinen in Häusern errichtet, und es gab erste Schritte zur Abfallentsorgung mittels Karren. Auch erste Impfungen wurden erprobt. Im 19. Jahrhundert wurden in den Städten Abflusssysteme für Abwasser eingeführt, Vorgänger unserer heutigen Kanalisation. Toiletten kamen in Mode.

Im Jahr 1847 entdeckte Ignaz Semmelweis, dass Hygienemaßnahmen wie Händewaschen die Mortalitätsrate beim Kindbettfieber reduzieren. Zwanzig Jahre später wurde in der Chirurgie damit begonnen, Wunden mit jodhaltigen Mitteln zu desinfizieren. Durch das Voranschreiten der wissenschaftlichen Forschung wurden in den darauffolgenden 50 Jahren immer mehr Krankheitserreger entdeckt, Impfstoffe und Medikamente entwickelt und Hygiene als Krankheitsprävention propagiert.

Hygiene spielt eine immer wichtigere Rolle. Viele Krankheitserreger haben in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass - wenn auch nur für kurze Zeit - vermehrt Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel oder Mundschutz getragen wurde. Aber Hygiene beginnt schon bei der Computertastatur. Wer diese nicht regelmäßig säubert, kann sich schon beim Sportbekleidung online bestellen mit Krankheiten infizieren, die ein Kollege hinterlassen hat. Aber man sollte nicht übertreiben und sich ständig die Hände waschen oder gar desinfizieren. Die Dosis macht das Gift.